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Die Geschichte der Zeitung in Russland

Die ersten handgeschriebenen Zeitungen erschienen in Russland ab dem Jahr 1613. Sie wurden „Kuranti“ („Glockenspiel“) genannt. Das älteste erhaltene Exemplar erschien 1621. Die handschriftlichen Nachrichtensammlungen enthielten meist Übersetzungen aus ausländischen Zeitungen sowie Berichte von russischen Diplomaten und Kaufleuten .

Ab 1703 wurde in Moskau auf Geheiss von Peter dem Grossen die „Wedomosti“ („Nachrichten“) herausgegeben: Die erste gedruckte Zeitung Russlands. Ein Grossteil der Nachrichten stammte aus holländischen Zeitungen, in denen Peter selbst beim Lesen markiert hatte, was er als übersetztenswert erachtete. Die Auflage der „Wedomosti“ betrug 1000 Exemplare, die zum Preis von zwei Kopeken verkauft wurden.

Am 3. Januar 1727 erschien die erste Ausgabe der „St. Peterburgischen Zeitung“. Sie stellte ein wöchentliches Mitteilungsblatt der zwei Jahre zuvor in St. Petersburg gegründeten Akademie der Wissenschaften dar. Zar Peter I., der die Eröffnung der Akademie selbst nicht mehr erlebte, soll den Professoren die Weisung erteilt haben, ein fremdsprachiges Blatt herauszugeben, um Russland in der europäischen gelehrten Welt bekannt zu machen.

Die St. Petersburgische Zeitung
Die Nachrichten wurden deshalb in der Muttersprache der Mehrheit der Akademiemitglieder gedruckt: auf deutsch deutsch . Alsbald wurde die Zeitung auch ins Russische übersetzt und erschien unter dem Namen „Peterburgskije Wedomosti“ jeweils einen Tag später.

Als internationales Aushängeschild der Akademie war es nicht nur Aufgabe der ab 1728 zweimal die Woche, ab 1830 sechsmal die Woche erscheinenden Zeitung über akademie-interne Dinge zu berichten, sondern die wichtigsten Meldungen aus dem europäischen Raum für die Leser in Russland aufzubereiten. Als Quelle dienten verschiedene europäische Zeitungen, deren Berichte zu Beginn lediglich nachgedruckt wurden.

Die „St. Petersburgische Zeitung“ erschien bis 1915. Danach wurde sie zusammen mit allen anderen deutschsprachigen Zeitungen vom Zaren verboten. Nach dem Ende der Sowjetunion wurde sie als Organ der „ Deutschen Gesellschaft St. Petersburg“ wieder geboren. Heute konzentriert sie sich vermehrt auf Touristen , Geschäftsleute und andere deutschsprachige Leser, die sich in St. Petersburg aufhalten. Von 2005 bis 2007 war Russland-Aktuell Redakteur Lothar Deeg ihr Chefredakteur. Ein Teil ihrer Berichte wurde bei Russland-Aktuell veröffentlicht: www.spz.aktuell.ru

Im Ausland gedruckt, in Russland gelesen
Die Zeitung „Kolokol“ („Die Glocke“) wurde ab 1857 von Alexander Herzen und Nikolaj Ogarjow auf russisch und französisch herausgegeben. Sie berichtete über die Leibeigenschaft in Russland und forderte die Freilassung der Bauern, die Aufhebung der Zensur und weitere Reformen im Zarenreich. Sie fand in russischen revolutionären Kreisen grossen Anklang.

Wegen ihrer kritischen Haltung konnte sie nicht in Russland gedruckt werden. Die Redaktion war zunächst in London später in Genf beheimatet. Die „Glocke“ wurde dort auf sehr dünnem Papier gedruckt und dann nach Russland exportiert. 1867 wurde die Zeitung eingestellt.

Zeitung in der Sowjetzeit
Das Zentralorgan der kommunistischen Partei Russlands war die „Prawda“ („Wahrheit“). Die erste Ausgabe erschien am 18. Mai 1912 in Sankt Petersburg . Auf ihrem Höhepunkt erreichte sie eine Auflage von mehr als 10 Millionen Exemplaren. Mit der Perestroika und dem Zusammenbruch der UdSSR begann der Niedergang. Heute beträgt die Auflage noch rund 100.000 Exemplare.

Die zweite wichtige Tageszeitung der Sowjetunion war die „Iswestija“ („Nachricht“), die 1917 gegründet wurde. Die Zeitung wurde zum Sprachrohr der sowjetischen Regierung. Sie publiziert wichtige Dokumente der Oktoberrevolution : das Friedensdekret und die Bodenverordnung. Heute hat sie eine Auflage von rund 200.000 Exemplaren.

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